 |
 |
COC der StbKp
Sehr geehrte Damen und Herren, werte Kameradinnen und Kameraden!
Vor ziemlich genau einem Jahr, am 12. 6. 2007, habe ich das Kommando über die Stabskompanie Ausbatt/UNDOF übernommen. Heute übergebe ich, wie geplant, das Kommando an meinen Nachfolger. Erlauben sie mir anlässlich dieser Gelegenheit ein paar Worte zu verlieren und dieses Jahr meines Lebens Revue passieren zu lassen.
Nach einigen mehr oder minder komplizierten Worten, die manche schon an der Sinnhaftigkeit dieses Einsatzes zweifeln ließen, vor Teilen des Kontingentes im Rahmen der Vorbereitung in Götzendorf, trat hier ein Kompaniekommandant an, der sicher nicht ins klassische Bild passte.
Von Anfang an wurde meine Person ambivalent wahrgenommen. Hier stand ein Mann, um dessen Vorgeschichte als Unteroffizier zwar viele wussten und über Truppen- und Einsatzerfahrung verfügte, aber sich heute als Major und Akademiker präsentierte, ein Mann, der gleichermaßen Ziele manifestierte und, so glaube ich behaupten zu können verfolgte, und sich weiters einer Sprache befleißigte, die nicht viele verstanden oder nicht verstehen wollten.
Wenngleich der Kantsche kategorische Imperativ immer als primäre Quelle meiner Kommandoführung diente, so sorgte doch gerade die eigentlich einfache Struktur meiner prioritären Intentionen für mannigfaltige Interpretationen und im Zuge verschiedenster individueller Perzeptionen und Rezeptionen für die subjektive Generierung von Wahrheiten, die zwar im spezifischen Bezugssystem Geltung gehabt haben mögen, sich jedoch tatsächlich weit von meiner Idee entfernt haben.
Systemimmanente Konstruktionen, Präjudizierungen und nicht zuletzt die subjektive Transformation von Hierarchieebenen, hinlänglich diskutiert auf einer Kommunikationsplattform bekannt als "die Campstrasse" sorgten zwischenzeitlich meinerseits für eine Frustration, die auch meine dicke Haut, die ich ohnehin gewohnt bin, durch diverse gegerbte Tierfelle zu schützen, ordentlich strapazierten.
Im Zuge vieler Monate unterwanderten jedoch viele von ihnen einen Lernprozess, den, so mein Eindruck zu diesem Zeitpunkt, die meisten mit einem für mich befriedigenden Ergebnis abgeschlossen haben: Hier steht ein Mensch, der nicht die Apotheose der Kompliziertheit ist und sich keineswegs zum Protagonisten eines sozialdarwinistischen Übermenschen stilisieren wollte.
Ziel meiner Kommandoführung war es nicht, dass sie mich hier als Kommandanten wahrnehmen - dies gibt unser gemeinsames Bezugssystem Bundesheer ohnehin vor.
Meine Idee war es vielmehr, mich ihnen als einen Menschen zu präsentieren, der möglicherweise ihre Loyalität verdient, weil sie ihn als Kommandanten akzeptieren. Es ist für mich befriedigend zu sehen, dass ich dies vor allem in der letzten Zeit von einem hohen Grad der Angehörigen der Stabskompanie behaupten kann. Speziell unter diesem Aspekt freut es mich, dass ich für ein Jahr ihr Kommandant sein durfte und den Dompteur in der oftmals liebevoll "Flohzirkus" genannten Arena der Stabskompanie geben konnte.
Ich will allerdings kein Hehl daraus machen, dass nach einem Jahr für mich der Zeitpunkt gekommen ist, wo ich froh bin, zu einer Frau zurückzukehren, die ich nach wie vor als meine Freundin bezeichnen darf.
Es ist an dieser Stelle auch Usus, Dankesworte zu sprechen. Ich möchte mit dieser schönen Tradition nicht brechen. Ich bedanke mich bei all jenen, die hier fern von individuellen Befindlichkeiten einen konstruktiven Beitrag zum gemeinsamen Ganzen geleistet haben. Gerade sie geben einem militärischen Vorgesetzten das Gefühl, dass es die Sache wert ist, in diesem Bundesheer zu dienen und sich im Rahmen eines Friedenseinsatzes ein Jahr in die Ferne zu begeben.
Lassen sie mich ihnen als kleinen Denkanstoss im Lichte der Interpretation kleinerer und größerer Probleme, mögen ihnen diese hier oder auch wieder zuhause begegnen, ein Wort des großen, leider mittlerweile verstorbenen, Kulturanthropologen Marshall Sahlins mit auf den Weg geben: "Kultur ist die symbolische Deutung des Seins!"
Es lebe die Stabskompanie, ich wünsche ihnen alles Gute!
...zurück zur Übersicht
|
|
|
|